Interview zu Mobbing in der Schule

Der Kölner Stadtanzeiger befragte Anna S. (Name geändert)
 

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Als ich in die neue Klasse kam, fing alles an

Erstellt 15.10.08, 15:46h
Anna S. (Namen geändert) ist 15 Jahre alt und wurde jahrelang gemobbt.


KÖLNER STADT-ANZEIGER: Wann hat das mit dem Mobbing angefangen?

ANNA: Hm, das war so in der fünften oder sechsten Klasse. Ich bin nach der Trennung meiner Eltern mit meiner Mutter hierher gezogen und kannte noch niemanden. Die anderen waren alle untereinander befreundet und haben mich, als Neuling, nicht akzeptiert.

KÖLNER STADT-ANZEIGER:Gab es Momente in dieser Zeit, in denen es besonders schlimm war?

ANNA: Ja, manchmal wäre ich am liebsten weggelaufen oder wieder zurück zu meinem Vater gezogen.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Und wie ist es mit der Schule? Bist du dort abgesackt?

ANNA: Ja, das war schlimm. Ich wollte mich die ganze Zeit auf den Unterricht konzentrieren, aber es ging nicht. Außerdem habe ich mich nicht getraut, mich zu melden, weil ich Angst hatte, dass irgendwer spöttische Bemerkungen machen könnte. Also musste ich zu Hause viel lernen, um das nachzuholen.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Hast du mit einem Vertrauenslehrer über deine Probleme gesprochen?

ANNA: Meiner Klassenlehrerin ist aufgefallen, was los war. Sie hat dann ein Gespräch mit meiner Klasse geführt, aber danach wurde es noch viel schlimmer. Die anderen haben mich dann für völlig hilflos gehalten und hatten einen weiteren Grund, mich fertig zu machen.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Hat das Mobbing inzwischen aufgehört?

ANNA: Ja, denn mittlerweile habe ich mich mit einigen Schülern aus meiner Klasse angefreundet, die jetzt zu mir stehen und mich so akzeptieren,wie ich bin.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Wie, denkst du, hat dich das ganze verändert?

ANNA: Mein Selbstbewusstsein hat natürlich sehr darunter gelitten. Ich gehe nicht einfach so auf neue Leute zu. Es dauert sehr lange, bis ich mich anderen gegenüber öffne oder über meine Gefühle spreche. Ich mache mir Gedanken darüber, ob sie wohl schlecht über mich denken und habe Angst, dass es wieder von vorne anfängt. Aber ich glaube, dass mich diese negativen Erfahrungen insgesamt stärker gemacht haben. Ich lasse das, was andere sagen, nicht mehr so sehr an mich heran. Ich habe ein dickeres Fell bekommen.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Wie gehst Du heute mit den Leuten um, die dich gemobbt haben?

ANNA: Mit den meisten verstehe ich mich inzwischen gut. Ich denke , dass sie das eigentlich nicht so gemeint haben, sondern nur wegen des Gruppenzwangs mitgemacht haben. Nur denen, die ganz besonders schlimm waren, kann ich nicht verzeihen. Ich versuche, ihnen - wenn möglich - aus dem Weg zu gehen.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Was würdest du Leuten raten, die von Mitschülern gemobbt werden?

ANNA: Einfach ignorieren und keine Angriffsfläche bieten. Dann verlieren die Mobber irgendwann das Interesse. Sobald man sich aber wehrt, haben sie einen weiteren Grund, ihr Opfer zu schikanieren. Außerdem sollte man auf Leute, die einem sympathisch erscheinen, zugehen, auch wenn das schwer ist. Aber man muss versuchen, Freunde zu finden, die zu einem stehen und einen im Notfall verteidigen.

Interview: Alicia Sommerfeld


Definition nach Wikipedia
Mobbing oder Mobben (von englisch to mob „anpöbeln, angreifen, bedrängen, über jemanden herfallen“ und mob „Meute, Gesindel, Pöbel, Bande“) steht im engeren Sinn für „Psychoterror am Arbeitsplatz mit dem Ziel, den Betroffenen aus dem Betrieb hinauszuekeln.“ Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, einen Kollegen ständig zu schikanieren, quälen und verletzen, beispielsweise in der Schule (Mobbing in der Schule), am Arbeitsplatz, im Sportverein, im Altersheim oder im Gefängnis. Typische Mobbinghandlungen sind Verbreitung falscher Tatsachen, Zuweisung sinnloser Arbeitsaufgaben, Gewaltandrohung, soziale Isolation oder ständige Kritik an der Arbeit.


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