Studierende arbeiteten an zukunftssicherer Schulentwicklung
Sommerleseclub 2010 war Riesenerfolg – Abschlussparty am 8. September 2010
Die Bergisch Gladbacher
Schulverwaltung erhielt Verstärkung durch zwölf Studierende der Fachhochschule
für öffentliche Verwaltung in Köln. Die angehenden Diplom-Verwaltungswirte im
dritten Studienjahr erhoben im Rahmen einer Projektarbeit Grundlagen für die
Bergisch Gladbacher Schulentwicklungsplanung im Sekundarbereich und werteten
diese aus. Das Ergebnis wurde jetzt dem städtischen Ausschuss für Bildung,
Kultur, Schule und Sport vorgestellt und soll die Basis für eine solide und
bedarfsgerechte Bergisch Gladbacher Schulpolitik bilden.
Unter den
Studierenden waren auch einige Anwärter für den gehobenen Verwaltungsdienst der
Stadt Bergisch Gladbach.
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Ein Foto vom ersten Arbeitstreffen der Studentengruppe in der Villa Zanders |
Fachhochschüler entwerfen Schulentwicklungsplan
Drei Standorte gefährdet – interessante Lösungsansätze
Die Situation der Bergisch Gladbacher weiterführenden Schulen hat eine Gruppe von 12 Studierenden der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Köln unter Betreuung des Dozenten Dr. Jens Walkowiak unter die Lupe genommen. Ziel war der Entwurf des Schulentwicklungsplans bis zum Jahr 2020. Unter Betrachtung der für diesen Zeitraum prognostizierten Schülerzahl, der benötigten Räumlichkeiten und des Sanierungsstandes der Gebäude kommt die Facharbeit zu dem Ergebnis, dass drei Schulen nicht über den Prognosezeitraum hinweg gehalten werden können. Es ergibt sich außerdem die Möglichkeit, einen Schulstandort zu schließen.
Schülerzahl nimmt deutlich
ab, Trend zum Gymnasium wird stärker
200 Schülerinnen und Schüler weniger als heute (2011: 1255; 2020: 1024) werden
am Ende des Prognosezeitraums in den Eingangsklassen der weiterführenden
Bergisch Gladbacher Schulen zu versorgen sein. Dieser Rückgang kommt so sicher
wie das Amen in der Kirche: Die Kinder sind heute schon geboren, sie werden im
Jahr 2020 zehn Jahre alt sein. Insbesondere die Hauptschulen werden dies zu
spüren bekommen, die Realschulen in geringerem Maße, während Gymnasien und
Gesamtschule durchweg stabil bleiben. Das Gutachten der Studierenden beruft sich
aber nicht nur auf diese Zahlen: Zusätzlich wurden die Anmeldegewohnheiten an
den einzelnen Schulen analysiert und bis 2020 fortgeschrieben.
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Das Foto zeigt vier Studierenden (v.l.): Dorin Immink, Yvonne Steidle, Marina Skoda, Bürgermeister Lutz Urbach, Schulverwaltungsleiter Hans Pütz, Projektbetreuer Dr. Jens Walkowiak, Jana Krupinski |
Auswirkungen auf die
einzelnen Schulformen
Die bereits begonnene Konsolidierung der Hauptschulstandorte scheint also
noch nicht beendet: Bereits im Jahr 2016 kann am Ahornweg die Zweizügigkeit
nicht mehr gehalten werden, ab 2018 ist die Einzügigkeit nicht mehr gesichert.
Bei der Hauptschule im Kleefeld steht die Einzügigkeit ab dem Jahre2019
dauerhaft an. Damit ist der Erhalt der beiden Standorte bis zum Ende des
Prognosezeitraums rechtlich nicht mehr möglich.
Auch bei den Realschulen zeichnen sich Veränderungen ab: Fünf Standorte
gibt es heute noch, die dauerhafte Unterschreitung der Zweizügigkeit – sie ist
rechtliche Grundlage für den eigenständigen Fortbestand - wird zuerst 2016 an
der Marie-Curie-Schule eintreten. Drei Jahre später, im Jahr 2019, wird die
Realschule im Kleefeld dauerhaft einen Zug eingebüßt haben und nur noch
zweizügig existieren. Was nicht zur Schließung führt, aber Kapazitäten öffnet
für Konsolidierungsmaßnahmen. Nicht gefährdet bis 2020 sind die Realschulen in
der Kaule, in Herkenrath und an der Saaler Mühle.
Spitzenreiter der Elterngunst bei den Anmeldungen ist die Integrierte
Gesamtschule Paffrath: Sie wird auch 2020 nach wie vor sechszügig betrieben
werden können. Auch die Schülerzahlen an den Gymnasien legen im
Prognosezeitraum eindeutig zu; verstärkt werden könnte der Trend sogar noch
durch die Aussetzung der verbindlichen Grundschulempfehlungen. In den
Eingangsklassen ist lediglich beim Nicolaus-Cusanus-Gymnasium (NCG) ab 2019 die
Dreizügigkeit gefährdet. Da der Rat der Stadt die Zügigkeit der Gymnasien
allgemein auf vier gedeckelt hat, muss an anderen Standorten sogar mit einer
Aufnahmebeschränkung gerechnet werden. Durch die sinkenden Schülerzahlen geht
der Raumbedarf jedoch insgesamt zurück: Gesamtstädtisch wird im Jahr 2020 ein
Überhang von 59 Räumen bestehen. Diese Rechnung macht deutlich, dass die Stadt
auf einen kompletten Schulstandort verzichten könnte.
Drei Alternativen zur
Standortfrage
Der Schulentwicklungsplan wäre nicht vollständig, hätten sich die Studierenden
nicht auch konkrete Gedanken gemacht, welcher Standort für eine Schließung in
Frage käme. Wesentliches Kriterium: der Sanierungsstand der Gebäude.
Sorgenkinder sind hier das NCG und das Schulzentrum Saaler Mühle. Für beide
steht die Sanierung noch aus; veranschlagt sind 12 bzw. 16 Mio. Euro. An der
Saaler Mühle gibt es keine Alternative zum Fortbestand, für das NCG ließen sich
aber differenzierte Szenarien vorstellen.
Drei Lösungsansätze haben die Studierenden aus den vorliegenden
Forschungsergebnissen entwickelt: Alternative 1 behandelt die Verlegung
des NCG an das Schulzenturm Ahornweg. Sowohl die Hauptschulen als auch die
Realschulen Ahornweg bzw. Kleefeld werden wegen Unterschreitung der Mindestgröße
ab 2016 nicht mehr eigenständig bestehen können. Das Gebäude in Gronau ist vor
fünf Jahren saniert worden; man könnte den Standort an der Reuterstraße
aufgeben, die Sanierung sparen und das Grundstück veräußern. Eine einfache
Variante, die in der Vergangenheit schon diskutiert wurde.
Die Alternative 2 sieht eine Zusammenlegung der beiden Hauptschulen spätestens 2019 am Ahornweg vor. Das NCG hat ab 2013 einen Überhang von 21 Räumen und wäre in der Lage, die komplette Realschule im Kleefeld aufzunehmen. Damit könnte ein neues Schulzentrum an der Reuterstraße manifestiert, der Standort Kleefeld aufgegeben und dessen Grundstückserlös für die Sanierung des NCG eingesetzt werden. Im weiteren Verlauf der Entwicklung wäre zur Sicherung des Standortes Ahornweg über die Umwandlung in eine Gemeinschafts- oder Gesamtschule nachzudenken.
Alternative 3 geht noch einen Schritt weiter und schlägt die Zusammenlegung der beiden Schulzentren Ahornweg und Kleefeld am Standort Ahornweg vor, was vom Raumprogramm her ab 2019 unproblematisch möglich wäre – verbunden wiederum mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit neuer Konzepte zur Sicherstellung der Bedürfnisse der Hauptschul-Klientel. Mit der Zusammenlegung der heutigen vier Schulen könnte das komplette Schulzentrum Kleefeld anderweitig genutzt werden. Hier bietet sich die Lösung an, das NCG mit seinem derzeit maroden Baukörper dort, ca. 400 Meter entfernt, eine neue Heimat finden zu lassen. Vom Raumprogramm her scheint dies auf den ersten Blick machbar: 34 Räume sind vorhanden, 30 werden benötigt. Gespart wären die Sanierungskosten für die Reuterstraße, und das nicht mehr benötigte Schulgrundstück könnte ebenfalls veräußert werden.
Jetzt ist die Politik am
Zug
Der von den Studierenden entwickelte Entwurf des Schulentwicklungsplanes und
auch die vorgeschlagenen Lösungsansätze sind nicht „gesetzt“: Jede Idee muss
zunächst weitergehend untersucht werden. So sind im Konzept zum Beispiel nur die
Klassenräume berücksichtigt, nicht aber die Fachräume. Die Bergisch Gladbacher
Schullandschaft wird so oder so in den kommenden Jahren in Bewegung geraten.
Ganz sicher ist aber der Schritt, der nun als nächster ansteht: Der Ausschuss
für Bildung, Kultur, Schule und Sport wird in einer Sondersitzung am 25. Januar
das Konzept beraten und weitere Handlungsempfehlungen an Politik und Verwaltung
geben.
So gleichlautende Pressemitteilungen der Stadt Bergisch Gladbach