No. 4  
 

 


Das Magazin & Online







Ein Baby mit 19 ...
manchmal geht das gut,
mit Hilfe der Eltern und der Freunde.
Oft bringt der neue Erdenbürger
aber auch viele Probleme ...
alle Fotos: privat

von Nicole Mrziglod

      




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Schwanger mit 19...
Scheiße! Der Streifen ist rot geworden ...


Scheiße! Der Streifen ist rot geworden! Naja, auf der Packung steht man soll rund fünf Minuten warten, um sicher zu sein, denkt sich Marie und geht nervös auf den Balkon. Erstmal eine rauchen. Aber auch fünf Minuten später ist der Streifen eindeutig noch rot. Okay, keine Panik. Durchatmen und einfach nochmal auf den Balkon gehen. Aber auch nach der dritten Zigarette bleibt der Streifen rot. Diagnose: Schwanger! Am nächsten Tag wird der Verdacht vom Frauenarzt bestätigt.

„Natürlich war das für mich erstmal ein Schock. Ich war 19, als ich schwanger wurde, und hätte nie damit gerechnet. Auch wenn ich nicht unbedingt super jung bin, geplant hatte ich es nicht. Ich war mitten im Fach-Abi und auf einmal stand mein ganzes Leben auf dem Kopf.“ So oder ähnlich geht es vielen jungen Mädchen, die plötzlich ungewollt schwanger werden. Oft sind sie noch nicht mit der Schule fertig oder gerade mitten in der Ausbildung. So war es auch bei Marie. Die Beziehung zerbrach an der Schwangerschaft, der Vater kümmert sich kaum um das Kind. Wenn er es alle zwei Wochen sieht, ist das schon viel.

Ihr kleiner Sohn Max ist jetzt sechs Monate alt und die stolze Mama will sich ihren kleinen Schatz gar nicht mehr weg denken. Aber aller Anfang ist schwer. Plötzlich steht sie nicht mehr alleine da, hat die Verantwortung für ein weiteres Leben. „Ich wusste überhaupt nicht, was ich machen sollte. Abtreibung stand für mich nicht zur Debatte, aber trotzdem war ich von der Situation erst einmal völlig überfordert. Was sollte aus meiner Zukunft werden, wie sollte es weitergehen? War ich überhaupt dazu in der Lage, ein Kind groß zu ziehen? Naja, immerhin hatte ich acht Monate Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen. Man gewinnt seinen dicken Bauch dann lieb, aber vor allem gegen Ende der Schwangerschaft konnte ich die Geburt kaum erwarten. Auch wenn ich wirklich Angst davor hatte, nachts konnte ich nicht durchschlafen, musste ständig zur Toilette rennen und war immer aus der Puste. Alle um mich ‘rum waren ständig meiner Zickerei und meinen Stimmungsschwankungen ausgeliefert.“ Das Leben der 19-Jährigen veränderte sich völlig. Die Geburt verlief zum Glück gut, durch die PDA (Periduralanästhesie ), einer Betäubung, merkte Marie nach kurzer Zeit kaum noch etwas von den Schmerzen. Als sie ihr Baby in den Händen hält, ist Marie überwältigt.

Die größten Veränderungen kamen dann nach der Geburt, aber bereits während der Schwangerschaft änderte sich einiges: Keine wilden Partys und durchgetanzten Nächte mehr in Köln. Dafür seltsame Blicke beim Einkaufen. Ständig wurde Marie angestarrt, im Freundeskreis wurde gelästert. Nicht einfach für jemanden, der ohnehin schon unter Druck steht. Hier kann die Familie helfen. Vor allem die Eltern reagieren meist total geschockt, es ihnen zu erzählen ist ein großer Schritt. Maries Mutter wollte von einem Enkel erst einmal gar nichts wissen. „Ich hatte furchtbare Angst, es meiner Mutter zu erzählen. Natürlich war die total sauer und musste selbst erst mal damit klarkommen. Aber am Ende hat sich mich doch unterstützt und jetzt liebt auch sie den Kleinen über alles.“ Die Mama ist es auch, die ab und zu mal auf Max aufpasst, wenn Marie eine kleine Auszeit braucht oder mal weggehen möchte. Trotzdem: Lange hält sie es meist nicht ohne ihren kleinen Schatz aus. Schnell geht es wieder nach Hause, wo sie sich um ihn kümmert. Ihn wegzugeben oder länger bei anderen Leuten zu lassen kommt für sie nicht in Frage. Sie will bald eine Teilzeitausbildung anfangen, um sich immer um den Kleinen kümmern zu können.

Bei Marie ist alles gut gegangen, aber nicht immer können vor allem jüngere Mädchen, die schwanger werden, auf die Unterstützung von Familie und Freund zählen. Hilfe gibt es bei Beratungsstellen für Schwangerenkonflikte, aber auch das Jugendamt kann helfen und vermitteln. Das Wichtigste ist, Hilfe zu suchen und sich nicht zu verstecken.