No. 4  
 

 


Das Magazin & Online


 

von Sara-Lena Niebaum

      




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ueber Macht - Bundesweites Filmfestival
zum ersten Mal in Bergisch Gladbach


Vom 21. September bis zum 1. Oktober findet zum ersten Mal ein bundesweites Filmfestival auch in Bergisch Gladbach statt. Neben 120 Städten wie Köln, Wuppertal und Dresden wird somit Jugendlichen auch aus dieser Region die Möglichkeit gegeben, sieben aus 13 ausgewählten Filmen im Viktoria Kino anzuschauen.
Das Konzept wurde von der Organisation „Die Gesellschafter“ in Zusammenarbeit mit der „Aktion Mensch“, sowie weiteren Kooperationspartnern entwickelt.
Das Festival steht unter dem Motto „Filme ueber Macht“ und beschäftigt sich davon ausgehend mit Themen, die ein „normaler“ Kinofan nicht unbedingt erwartet. „In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?“ ist die zentrale Frage, die es anhand von Kurzfilmen zu beantworten gilt.
Die Veranstalter möchten direkte Auswirkungen soziokultureller Machtstrukturen unserer Gesellschaft an einzelnen Beispielen erläutern und dadurch erkennbar machen, welche Arten von Macht legitim, welche illegitim sind.
Das eigentliche Ziel ist aber: Die eigene Mündigkeit zu fördern und zu fordern, denn die Machtfrage muss und soll in Politik, Öffentlichkeit und Alltag häufiger und nachdringlicher gestellt werden, egal in welchem Altersumfeld.
Insgesamt 13 Filme werden in diesem Zusammenhang vorgestellt, sieben davon wurden für Bergisch Gladbach ausgesucht.
In „Die dünnen Mädchen“ geht es um acht junge Frauen, die gegen ihre Essstörungen ankämpfen, eine Macht, die „ueber“ ihrer eigenen Persönlichkeit steht und ihr Leben fremdbestimmt.
Im Kontrast dazu wird „Faustrecht“ gezeigt, ein Film, der zwei 16-Jährige begleitet, für die Gewalt ein alltäglicher Faktor ihres Lebens ist. Respekt zu bekommen, ohne Mitgefühl durch ihr Leben zu gehen, nur durch nonverbale Macht sich selbst darzustellen - das beschreibt ihr Leben wohl am treffendsten.
Doch geht es bei dem Festival nicht nur um die Darstellung von Biographien und Schicksalen einzelner Personen, die sich getrieben durch die Machtstrukturen unserer Gesellschaft als Teil einer Randgruppe fühlen.
Der Film „Monsanto, mit Gift und Genen“ ist eine kritische Hinterfragung der Sicherheit genetisch veränderter Lebensmittel und der dahinter stehenden kapitalistischen Marktführung der Unternehmen.
Ebenfalls international ist das Thema des Films „Streik(t)raum“. Die Filmemacher begleiteten Studenten bei ihren Streikvorbereitungen gegen den Gesetzesvorschlag der französischen Regierung 2006, der Unternehmen ermöglichen sollte, Berufseinsteiger in den ersten zwei Jahren fristlos zu kündigen.
Zusätzlich werden „Ihr Name ist Sabine“, ein Film über eine Autistin, „Zuoz - Schule der Eliten“, der sich mit einem Schweizer Elite-Internat beschäftigt, an dem Individualität und eigene Denkansätze durch Wertmaßstäbe und Verhaltensregeln ersetzt werden, gespielt. „Die Schuld, eine Frau zu sein“ bietet Frauen, die durch die Machtstruktur ihrer Gesellschaft jeglicher Autonomie beraubt wurden, ihre eigene Geschichte zu erzählen.
Die Preise für die Vorstellungen werden zwischen drei und fünf Euro liegen.
Nach den einzelnen Filmvorstellungen ist vorgesehen, dass sich Diskussionsrunden zu dem betreffenden Thema bilden.
Genau das ist auch das Besondere an diesem Festival, denn die Filme können und sollen nicht nur als Unterhaltungsmedien verstanden werden. Sie konkretisieren bestimmte gesellschaftliche Probleme, die der Diskussion bedürfen.
Natürlich sind die Filme keine Hollywood-Blockbuster, aber das müssen sie auch nicht sein, denn die Aussagen, die hinter diesen Filmen stehen, brauchen keine großen Schauspieler.
Sie stellen das wahre Leben dar, und welche Besetzung könnte da authentischer sein als Protagonisten, die diese Lebenssituation selbst (er-)leben?