No. 5  
 

 


Das Magazin & Online




Das muss der absolute
Wunschtrau aller Klofrauen sein.
Foto:by_Schomber_pixelio.de


Die Bezeichnung „Klofrau“
soll in keiner Weise despektierlich
gegen eine Berufsgruppe gewertet sein.
Wir alle schätzen die zumeist
netten Damen und Herren,
die sich um die Hygiene der
öffentlichen Toilettenanlagen kümmern.

Ohne sie sähen wir uns
oft genug mit den
Hinterlassenschaften unserer
Vorgängerinnen und Vorgänger
auf dem „stillen Örtchen“ konfrontiert.

Wir wollen ihnen danken
für ihre Arbeit und ein
frohes Weihnachtsfest wünschen


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Klofrau - was sonst ...
Dies zum Thema "ungeliebte Berufe"

Es ist halb fünf morgens. Evelin B. hat sich den ersten Kaffee des Tages in die Tasse geschüttet und setzt sich noch für dein paar Zigarettenzüge an den Küchentisch. So früh am Tag ist Frühstück noch kein Thema. War es nie, auch nicht, als sie vor wenigen Jahren noch jeden Morgen in ihren schicken Business-Klamotten mit der S-Bahn nach Köln fuhr. Einen Kaffee nach dem Bad, so war es immer. Zeitung lesen in der Bahn, leichte Housemusic auf ihrem iPod - sie kam stets gut gelaunt in dem Versicherungsgebäude am Ring an. Ein freundliches „Guten Morgen, Kerkmann“ kam ihr allmorgendlich an der Pförtnerloge über die Lippen und der Tag konnte beginnen.

Und jetzt, morgens um halb fünf, war ihr erst recht nicht nach essen zumute. Wer kann zu dieser Stunde schon was essen? Sie schaut aus dem Fenster. Der trübe Morgen, noch schwer dunkel und Regenwolken verhangen, trägt auch nicht gerade dazu bei, ihre Laune zu heben - nicht im Geringsten. Die Filterzigarette verqualmt im Aschenbecher. Schon lange hat sie es aufgegeben, sich das Rauchen wieder abzugewöhnen. Nein, früher hat sie nicht geraucht. Früher, als sie es sich noch locker hätte erlauben können, finanziell. Rauchen war verpönt. Im Leben würde sie es nicht anfangen, hatte nie darüber nachgedacht, auch nur einmal an einem dieser Lungentöter zu ziehen. In ihren Kreisen rauchte Frau nicht.

Jetzt rauchte sie. Seit fünfeinhalb Jahren. Urplötzlich stand sie vor dem Aus, vor dem Nichts. Die Abteilung „Kundenbetreuung“ wurde um 50 Prozent verkleinert. Und sie zog mit ihren damals 46 Jahren das große Los. Nein, nicht das große Los, eine Riiiiiiesenniete. Ok, sie war nicht verheiratet, brauchte nie auf Ehemann und Kinder Rücksicht zu nehmen. Aber das war's: ihre Kolleginnen und Kollegen gleichen Alters hatten Familie, deshalb durften sie bleiben. Doch sie traf die Job-Abrissbirne mitten vor die Stirn. Betriebsbedingte Kündigung, einige Monate Zeit, sich einen neuen Job zu suchen, aber wer will schon eine 46-Jährige? Erstmals saß Evelin B. abends in ihrer Dachgeschosswohnung im achten Stockwerk und rauchte.

Nein, morgens um halb fünf war ihr noch nie nach essen zumute. Sie hatte alles versucht. Auf Anzeigen in Zeitungen und im Internet geantwortet, Arbeitsamt, Arbeitsagentur, private Jobvermittler … es half nichts. Sie hatte ihr BMW 3er Cabrio verkauft. Jetzt, wo sie schon die 50 hinter sich gelassen hat, braucht sie eh kein Auto mehr, wohin soll sie auch fahren? Zum Einkaufen kann sie gut zu Fuß gehen oder auch den Bus nehmen. Und als das Gesparte langsam aber sicher zur Neige ging, musste ein Job her. Irgendein Job.

Das Wiktionary (freies Wörterbuch im Internet) definiert Klofrau so: „Eine Frau, die öffentliche Toiletten nach ihrem Gebrauch sofort wieder reinigt und in Ordnung bringt.“
Nein, Evelin hat nie behauptet, dass ihr der Job Spaß macht. Hinter anderer Leute Scheiße herzuwischen, die Gerüche und den Gestank ertragen zu müssen, sich von manchen Menschen auch noch beschimpfen zu lassen - nein, das hätte sie sich vor ein paar Jahren nicht träumen lassen, sie hätte es weit von sich gewiesen. Die Bezahlung, ha, die Bezahlung passte zum Job: sie war scheiße. Aber es gab Trinkgeld - und manchmal auch ein liebes Wort, ein Wort, das ihr oft mehr wert war als achtlos hingeworfene Cent-Stücke.

Und gleich würde sie wieder in ihrer winzigen Umkleidekabine stehen, den Mantel in den Spind hängen, den verschmutzten Kittel überwerfen und ihre Reinigungsutensilien ergreifen. Sie würde ihre Arbeit aufnehmen, den Damen- und Herrentoiletten und Urinalen einen letzten gründlichen Wisch verpassen und dann konnten sie kommen, die Kunden des Kaufhauses, sie jedenfalls würde ihre Pflicht getan haben.

Nein, heute nicht. Heute wird sie nicht dorthin gehen. Sie steckt sich eine weitere Zigarette an, ein tiefer Zug. Noch einen Schluck Kaffee. Ein guter Kaffee, aromatisch, würzig, stark. Nein, heute und nie mehr wird sie die Klofrau für alle sein. Sie öffnet das Fenster ihrer Dachgeschosswohnung und
lässt den dunklen, Regen verhangenen Morgen hinein. Sie schaut hinunter. Die Straße ist noch menschenleer. Mit sicherer Hand reicht sie zum Griff des Fensters, stützt sich ab und kniet auf der Fensterbank. Nein, heute und nie mehr will sie Klofrau sein …