No. 5  
 

 


Das Magazin & Online


Der Nikolaus auf dem Fensterbrett ...
Foto: Alina Willems


Heutzutage ist Weihnachten
und das Weihnachtsfest
oft genug zum reinen Kommers verkommen
Foto:by_Tom-Leddin_pixelio.de

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Weihnachten heute...
Es weihnachtet sehr.
Was bedeutet das?
Wer denkt darüber noch nach?


Um genau zu definieren, was Weihnachten heute bedeutet, wie Weihnachten heute gefeiert wird, sollten wir, denke ich, zunächst dem eigentlichen Weihnachten auf die Schliche kommen.

Ist es nicht so, dass Weihnachten ein kirchliches Fest ist. Ja, wie kann das denn? In der heutigen Zeit, in der die meisten Menschen keine Zeit mehr haben für Kirche, Gott und Glauben, da soll Weihnachten einen derart hohen Stellenwert haben?

Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu Christi und mit Ostern und Pfingsten eines der drei Hauptfeste des Kirchenjahres. Ein hoher Feiertag also, ein doppelter Feiertag sogar, rechnet man den ersten und zweiten Weihnachtstag. Und zuvor noch Heiligabend. Ein Fest, das gefeiert wurde, weil die Menschen sich freuten, über viele Jahrhunderte hinweg. Irgendwann in den Anfängen wurde es ein Fest des gegenseitigen Beschenkens, der Bescherung. Weil man damit seine Freude über die Geburt Christi ausdrücken wollte. Und das Christkind brachte ja schließlich auch die Geschenke - und bringt sie immer noch.

Nur - ist es nicht so, dass das Christkind mittlerweile völlig überarbeitet ist? Brachte es in früheren Jahren den beiden Kindern eine Puppe und eine Holzeisenbahn, dem Vater ein Paar warme Socken und der Mutter eine neue Tasche, ist doch zwischenzeitlich für eben diese vierköpfige Familie eine doppelte Fahrt mit dem Christkind-Schlitten zum Einkaufszentrum und zurück nötig. Von den Leckereien einmal ganz abgesehen.

Wenn in der Vorweihnachtszeit früher das Abendrot leuchtete, hieß es „In der Backstube vom Christkind wird fleißig gearbeitet.“ Heute stehen in den Lebensmittelmärkten bereits ab Mitte September alle möglichen Weihnachtsgebäcke in den Regalen. Vom Christstollen über die gebrannten Mandeln bis hin zum Adventskalender ist der gesamte Weihnachtsartikelmarkt ab September pünktlich zur Stelle.

Soll nur ja keiner glauben, er käme mit Sparmaßnahmen über den Jahreswechsel. Niemals - die Werbeindustrie drischt fröhlich auf die Konsumenten ein, und zwar so lange, bis jeder, aber auch wirklich jeder, seinen letzten Cent für immer mehr und immer größere und natürlich auch immer teurere Geschenke ausgegeben hat.
Weihnachten heute, das ist Weihnachtsmarkt in allen Dörfern, Weihnachtssonderangebote und Schnäppchenpreise. - Der Weihnachtsmarkt mit seinen leckeren Düften, seinen Weihnachtsliedern und seiner Gemütlichkeit - vielleicht erinnert er noch am ehesten an „die guten alten Zeiten“.
Jedoch der Weihnachtsmarkt mit seiner marktschreierisch lauten Atmosphäre, dem Glühweinstand am Rande der Besinnungslosigkeit und der Eislaufbahn, aus deren Lautsprecherboxen gnadenlos der „Anton aus Tirol“ dröhnt, hat schon nichts mehr mit dem ursprünglichen Weihnachtsgedanken zu tun.

Im trauten Heim zeigt sich dann auch ein ähnliches Bild. Wenn überhaupt, wird vielleicht gerade mal ein Weihnachtslied vor dem Christbaum gesungen, dann machen sich alle über die Geschenke her. Gut, manche Familien besuchen den Weihnachtsgottesdienst am Heiligen Abend. Viel mehr an Besinnlichkeit taucht nicht mehr auf während der Feiertage, denn anschließend wird die große Runde durch die Familie gemacht. Am ersten Feiertag geht's zur Oma oder den Eltern, am zweiten Feiertag werden die Cousinen und Tanten erwartet.
Oder man fährt in Wintersport - bietet sich ja an wegen der freien Tage.

Weihnachten heute - kann es nicht wieder ein bisschen ruhiger, besinnlicher und friedlicher werden?