No. 7  



Das Magazin & Online


von Nicole Mrziglod


Im ersten Zimmer war nicht wirklich viel Platz


Nicole und ihr zweiter Gastgeber Anders

Fotos: Nicole Mrziglod


 

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Couchsurfing - ein toller Trip
Kopenhagen einmal ganz anders entdecken



Die Herbstferien sind gerade vorbei. Eure Freunde kommen alle gebräunt aus dem Urlaub zurück oder erzählen euch von ihren tollen Erfahrungen. Leider hat man gerade als Schüler oder Student nicht immer das Geld so locker in der Tasche sitzen, um sich mal eben einen ein- bis zweiwöchigen Urlaub zu leisten. Aber wer hat nach seinem 14. Geburtstag schon Bock, mit Mami und Papi in Urlaub zu fahren und weit und breit ist niemand in eurem Alter. Das muss einfach nicht sein! Also wir haben uns gedacht: Das geht doch auch anders! Wie? Nachdem das Wort „Couchsurfing“ zumindest in meinem Umfeld immer wieder auftauchte hieß es: Wer nicht wagt - der nicht gewinnt! Also: Selbstversuch. Eine Woche Urlaub in irgendeinem fremden Land. Das Limit? Etwa 200 bis 250 Euro für eine Woche Kompletturlaub inklusive Unterkunft, Verpflegung, Souvenirs sowie Reisekosten.

Schritt 1: Wohin soll's gehen? Natürlich gibt es teure und billige Urlaubsziele. Einfach kann man es sich machen, indem man mal guckt, in welchem Zeitraum günstige Flüge zu haben sind - und wohin. Ab ins Internet, auf die bekannten Seiten der Billigflieger und Preise vergleichen. Entschieden haben wir uns schließlich für Kopenhagen, Hauptstadt von Dänemark. Kosten für den Flug: 55 Euro pro Nase, inklusive Gepäck. Übrigens nicht unbedingt die billigste Stadt, aber deshalb muss halt an anderen Enden gespart werden. Die erste Hürde war genommen. Kommen wir zum nächsten Punkt.

Schritt 2: Finde eine günstige Unterkunft! Das teuerste an Reisen sind meistens Hotels, Hostels oder Jugendherbergen - couchsurfing ist eindeutig die günstigste Alternative. Denn es ist völlig umsonst. Wer jetzt denkt: „Hmm, von diesem Couchsurfing hab ich schon mal gehört, aber was genau ist das denn bitte ?“ Hier ein kurzer Überblick: Bei Couchsurfing handelt es sich um eine non-profit Organisation, die zum Ziel hat, Menschen auf der ganzen Welt zu vernetzen - wie eine riesige Internet-Community mit mehr als zwei Millionen Mitgliedern weltweit. Das Prinzip ist dasselbe, wie bei allen sozialen Netzwerken. Ihr meldet euch auf der Seite an und legt ein eigenes Profil an. Mit Foto, Interessen und allem, was ihr eben so schreiben wollt. Sinn der Sache ist es letztendlich, Menschen aus der ganzen Welt für ein paar Nächte bei sich auf zu nehmen, oder selber irgendwo unter zu kommen. Aber, keine Panik, nur weil ihr jetzt beim Couchsurfing angemeldet seid, heißt das noch lange nicht, dass ihr irgendwelche Wildfremden bei euch schlafen lassen müsst. In eurem Profil könnt ihr angeben, ob und falls wieviele Leute ihr beherbergen würdet. Ihr könnt zum Beispiel aber auch anbieten, dass ihr euch mit jemandem auf einen Kaffee trefft oder ihn einfach in eurer Stadt herumführt. Aber wie gesagt - alles kein Muss. Natürlich könnt ihr trotzdem jederzeit selber auf der ganzen Welt surfen und bei Mitgliedern für die ein oder andere Nacht unterkommen. Dazu gebt ihr einfach in einer Suchmaske den gewünschten Ziel­ort ein. Außerdem könnt ihr verschiedene Angaben machen. Wollt ihr nur bei weiblichen Gastgebern übernachten, oder nur in der Innenstadt wohnen? Kein Problem.

Okay, manch einer wird sich jetzt fragen: Ist das auch wirklich sicher? Schließlich hab’ ich die Leute, bei denen ich da schlafen soll, noch nie vorher gesehen. Und wer weiß, was das für Leute sind! Dazu gilt: Natürlich weiß man nie genau, wie die Leute sind. Also sollte ein wenig Weltoffenheit schon drin sein. Allerdings gibt es bei Couchsurfing auch ein doppeltes Sicherheitssystem. Zum einen kann ein Mitglied, wenn es schon mal bei jemandem Couchsurfing gemacht hat oder die Person persönlich kennt, für diese Person bürgen. Zum anderen ist man erst ein verifiziertes Mitglied, wenn sowohl Identität, als auch Wohnort von der Community kontrolliert wurden. Das geschieht, indem ihr euren Namen und eure Adresse hinterlegt. Natürlich ist die Verifizierung keine Pflicht. Wir hatten zum Beispiel keine Verifizierung und konnten trotzdem wunderbar couchsurfen. Aber wer ganz sicher sein will, sollte darauf achten, dass die Leute, die er anschreibt, verifiziert sind.

Habt ihr also über eure Sucheingabe potentielle Gastgeber gefunden, könnt ihr euch deren Profile angucken. Oft merkt man schon hier, ob Interessen oder Hobbies über­einstimmen. Sobald ihr jemanden gefunden habt, von dem ihr meint, es könnte passen, schreibt ihr ihm eine Nachricht. Hier ist es immer gut, auch ein biss­chen von sich zu erzählen. Was macht ihr so, wann und wie lange würdet ihr gerne bleiben. Warum fahrt ihr genau in diese bestimmte Stadt. Dann braucht ihr nur noch eine Antwort abzuwarten. Am besten schreibt ihr direkt mehrere Leute an, da es auch sein kann, dass manche einfach keine Zeit haben oder selber im Urlaub sind. Wichtig ist, dass ihr im Vorfeld einen Treffpunkt ausmacht oder die Adresse kennt. Für den Fall, dass irgendwas schief geht, solltet ihr Handynummern austauschen. Die Adresse und Telefonnummer könnt ihr dann auch für den Notfall bei euren Eltern oder Freunden in Deutschland hinterlegen.

So, jetzt aber genug Theorie und zurück zur eigenen Erfahrung. Nach einigem hin und her und unzähligen Mails haben wir es schließlich geschafft, zwei Unterkünfte für unseren Urlaub zu finden. Die ersten zwei Nächte verbrachten wir bei Maya und Tim, einem sehr netten Pärchen, das im Zentrum von Kopenhagen wohnt. Direkt am ersten Abend hatten sie Freunde eingeladen, sodass wir alle zusammen aßen und uns verwöhnen ließen. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und hatten viel Spaß mit den beiden. Sie haben uns viele Tipps gegeben und die Gegend gezeigt. Leider hatten wir nur wenig Platz bei den beiden, da wir auf einer großen Doppel-Luftmatratze auf dem Boden geschlafen haben. Das war auch nicht so das Problem, eher dass man, nachdem die Matratze aufgeblasen war, die Tür nicht mehr aufmachen konnte und der Boden quasi nur noch aus der Matratze bestand. Aber egal, schließlich waren wir nicht im Hotel.

Nach drei Tagen ging es dann weiter zu unseren nächsten Gastgebern. Anders, ein 22-jähriger Student, nahm uns bei sich auf. Oder, besser gesagt: seine Eltern. Denn der liebe Anders wohnte noch zu Hause, aber da seine Eltern sowieso ein paar Zimmer zuviel hatten in ihrem großen Haus und auch früher mal Hippies waren (glaubt mir, heute sehen sie aus wie ganz gewöhnliche Spießer) nehmen sie jedenfalls gerne mal Gäs­te bei sich auf. Umso besser für uns. Hier hatten wir unser eigenes kleines Zimmer, alles war blitzeblank und wir wurden gebeten, uns doch bitte wie zu Hause zu fühlen. Küchen und Vorratsnutzung inbegriffen. Wir hatten riesigen Spaß, haben uns lange mit den Eltern über alles mögliche unterhalten und waren mit Anders und seinen Freunden Party machen. Ausflug und musikalische Untermalung inklusive. Dadurch, dass wir die Küche nutzen durften, und auch der Kühlschrank kein Tabu war, konnten wir außerdem nochmal eine Menge Geld sparen, indem wir abends einfach ein paar Nudeln kochten.

Mein Fazit: Couch Surfing ist eine tolle Erfahrung, die jeder mal gemacht haben sollte. Natürlich kann man nie genau wissen, ob man sich mit den Leuten versteht, aber es hat uns einfach unglaublich viel Spaß gemacht, am Leben unserer Gastgeber teilzunehmen. Wir konnten sie alles fragen und viel über die Stadt und die Leute in Erfahrung bringen. Wie ein Urlaub, in dem man abends nach Hause kommt und es wartet jemand aus der Familie, dem man alles erzählen kann. Ich würde es jederzeit wieder machen und auch gerne mal meine eigene „Couch“ anbieten. Und eine komplette Woche Kopenhagen, inklusive Flug, Wochenticket für die Bahn, Ausflug nach Schweden, Souvenirs, ein wenig shopping und Party hat mich 191 Euro gekostet. Nicht unbedingt viel... Also, probiert’s doch einfach mal.