| No. 7 | ||
|
|
|
Sankt Martin ... Die bekannteste Geschichte um den Heiligen Martin geht etwa so: An einem Tag im Winter begegnete Martin am Stadttor von Amiens einem armen, unbekleideten Mann. Außer seinen Waffen und seinem Militärmantel trug Martin nichts bei sich. In einer barmherzigen Tat teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen. In der folgenden Nacht sei ihm dann im Traum Christus erschienen, bekleidet mit dem halben Mantel, den Martin dem Bettler gegeben hatte. Bald entstehen etliche Legenden mit Erzählungen von Wundern Martins. So wurden ihm beispielsweise Totenerweckungen zugeschrieben. Eine weitere Überlieferung besagt, dass Martin im Jahr 371 in der Stadt Tours von den Einwohnern zum Bischof ernannt werden sollte. Martin, der sich angeblich des Amtes unwürdig empfand, habe sich in einem Gänsestall versteckt. Die aufgeregt schnatternden Gänse verrieten aber seine Anwesenheit, und er musste das Bischofsamt annehmen. Aus all diesen Gründen - es gibt noch manch andere Legenden rund um den wohltätigen Mann - werden seit vielen Jahren in beinahe allen Städten Deutschlands Martinsumzüge veranstaltet. In Erinnerung an den Bischof wandern die Kinder mit Martinsfackeln zu einem riesigen Martinsfeuer, singen auf dem Weg dorthin und ums Feuer stehend Martinslieder und sehen dann alljährlich zu, wie der Heilige Mann seinen Mantel mit einem Schwert zerschneidet und eine Hälfte davon einem armen Bettler gibt. Diese Sequenz wird zumindest überall immer wieder dargestellt. Dann gibt's den leckeren Weckmann, für Mutti und Vati einen Glühwein - denn im November ist's heftig kalt. Die Kinder fangen schon bald an zu heulen, denn entweder ist die Kerze in ihrer Martinslaterne nieder gebrannt und die Laterne leuchtet nicht mehr, oder aber die Laterne hat lustigerweise durch die Kerze gerade Feuer gefangen und brennt jetzt umso besser …. Das moderne Martinsliedersingkind hat natürlich eine Laterne mit batteriebetriebener Lampe. Das wiederum führt aber stets zu bösen Diskussionen, weil nach einer halben Stunde die Batterie ihren Geist aufgibt und Vati natürlich vergessen hat, Ersatzbatterien einzustecken. So verbringt die Familie einen schönen ruhigen Abend rund um den 8. November, der stressfreier nicht sein könnte. Aber Scherz beiseite: neben
diesen Missgeschicken, die immer mal wieder und auch in den besten Familien
vorkommen können, ist natürlich der Martinszug stets aufs Neue ein Erlebnis,
bei dem vor allem die Kinder gebannt aufs Feuer und die Darstellung der
Martinssaga blicken. - Und so mancher Erwachsene wischt sich dabei
verstohlen eine Träne aus dem Knopfloch, erinnert er sich dabei doch an
seine eigene Kindheit und denkt vielleicht mit Wehmut daran zurück, wie er
als siebenjähriger Knirps selbst im Martinszug mit stolz in die Höhe
gereckte Laterne mitgelaufen ist. |
|
|