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von Jessica Brück
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Twilight - Biss zum
Morgengrauen
Ein Selbstversuch

Twilight – ob man nun will oder nicht, wir haben alle davon gehört. Bella,
Edward – ihre Namen sind in aller Munde. Und egal, ob wir nun den Film
gesehen oder das Buch gelesen haben oder nichts von beidem, wir wissen nun
alle, dass Vampire in der Sonne glitzern.
Ist Twilight nur ein neues Kultbuch für junge Mädchen? Oder wird die
vierbändige Geschichte, die weltweit enorme Erfolge als Buch- und Filmreihe
erzielte, unterschätzt? Vor einiger Zeit habe ich den Selbstversuch gewagt
und den ersten Teil der Reihe gelesen. Warum ich mich irgendwann dazu
entschloss, mir den ersten Band von Twilight zu holen, kann ich gar nicht
genau sagen.
© Concorde
Den Film hatte ich bereits
gesehen und nur mäßig interessant gefunden. Ich wollte mir auf jeden Fall
selbst ein Bild von der eigentlichen Geschichte machen und kaufte so die
englische Originalversion in der Buchhandlung. Meine Ausgabe umfasst knapp
430 Seiten und ist in einer leicht verständlichen Sprache geschrieben. Für
Leute, die also Interesse am Englischen haben, empfiehlt es sich, direkt in
der Originalsprache zu lesen. In diesem ersten Buch geht es letztendlich um
die Beziehung zwischen den beiden jugendlichen Hauptcharakteren Bella und
Edward, welche sich nach Bellas Umzug aus dem sonnigen Süden Amerikas in das
verregnete Dörfchen Forks in der Schule treffen. Von Anfang an unterliegt
diese Beziehung vielen Schwankungen und Edward wirkt durch seine mysteriöse
Aura und auffallende Schönheit eine besondere Anziehungskraft auf Bella aus.
Als Bella bewusst wird, dass Edward übermenschliche Fähigkeiten besitzt und
sie auf die alten Legenden über die „kalten Wesen“ stößt, offenbart sich
Edward ihr als Vampir. Jedoch setzt sich Bella als Edwards offensichtliche
Freundin großen Gefahren aus, denn nicht alle Vampire verzichten auf den
Genuss von Menschenblut...
Die größte Zielgruppe der Twilight-Geschichte sind mit Sicherheit junge
Mädchen und Frauen, die sich mit der Hauptfigur Bella identifizieren können.
Ich selber liege mit 21 Jahren schon leicht darüber, und umso spannender
fand ich daher die Frage, ob ich wohl auch die gleiche Begeisterung beim
Lesen empfinden würde. Sicherlich macht vor allem die Identifizierung mit
Bella einen großen Faktor für die Beliebtheit des Buches aus. Die
Ich-Erzählerin charakterisiert sich selbst als ungeschickt, nur
durchschnittlich hübsch und unscheinbar, was jedoch wohl nicht den Eindruck
der anderen Charaktere widerspiegelt: Abgesehen von ihren neuen Freunden und
Verehrern, für die sie als Zugezogene exotisch erscheint, interessiert sich
auch noch der begehrteste Junge der Schule für sie: Edward Cullen. Ein
geheimnisvoller Außenseiter, etwas altmodisch, aber trotzdem ein Gentleman.
Welches Mädchen würde sich dies nicht wünschen?! Genau mit dieser These
spielt das Buch immer wieder und die Erzählerin kleckert nicht mit
Beschreibungen von Edwards Aussehen, nein, sie klotzt.
Eine Sache, die mich bereits sehr früh zu stören begann, waren die ständigen
Wiederholungen. Vergleiche mit griechischen Göttern, die Beschreibung seiner
Haut als „Alabaster” und „Marmor”, die allzu oft auftreten, stören einfach
den Lesefluss und es erscheint ebenfalls merkwürdig, dass trotz Edwards
augenscheinlicher Anziehungskraft auf Bella die ersten Zärtlichkeiten
zwischen beiden lange auf sich warten lassen. Wer sich ein bisschen mit den
Hintergründen von Twilight befasst, wird herausfinden, dass die Autorin der
konservativen Religionsgemeinschaft der Mormonen angehört, was wiederum
erklärt, warum die Liebe zwischen den Beiden nicht körperlich wird.
Abgesehen von den vielen Beschreibungen von Edwards Schönheit wiederholt
sich auch immer wieder der Grundkonflikt der beiden in den Dialogen, die
nach Edwards Offenbarung als Vampir stattfinden. Zwar ist Bella fasziniert
von Edwards Welt, die sich so sehr von der ihren unterscheidet (seine Stärke
und seine Fähigkeiten, die Vampirfamilie), jedoch fühlt sie sich nicht von
Edward bedroht. Dieser versteht nicht, dass sie keine Angst empfindet, und
droht ihr immer wieder an, sie zu verlassen, falls es keinen anderen Weg
gäbe, um sie zu schützen. Ich hatte das Gefühl, einen solchen Dialog alle
paar Seiten zu lesen, was mir allgemein den Eindruck vermittelte, dass es
diesem Buch ein wenig an Handlung mangelt. Der erste Teil des Buches zieht
sich über mehrere Monate hin, während dessen sich Bella und Edward langsam
annähern. Knapp bei der Hälfte des Buches jedoch überschlagen sich die
Ereignisse und die restliche Spielzeit des Buches beschränkt sich auf knapp
eine halbe Woche, in der Bella und Edward die jeweiligen Familienmitglieder
des anderen kennen lernen, dem feindlichen Vampirclan begegnen und Bella
ihre Flucht vor dem von ihr besessenen Vampir James antritt. In diesem
Zeitraum beschließt Bella auch, dass sie unsterblich und für immer in Edward
verliebt ist und setzt sich mit den Konflikten zwischen ihr, ihrem Vater und
auch ihrer Mutter auseinander.
Drama hat natürlich auch seinen Platz in der Geschichte. Liebe, Aufopferung,
Romantik und die vorsichtig angedeutete Dreiecksproblematik zwischen Edward,
Bella und dem Familienfreund Jacob spiegeln treffsicher die Welt eines
jungen Mädchens. Dabei wirken aber manche Formulierungen, die im Buch
auftreten, vor allem im Vergleich zum Ganzen eher kitschig. So zum Beispiel
die Analogie von „Löwe“ und „Lamm“ (an einer anderen Stelle wird sie zu
„Babyrobbe“ und „Killerwal“ geändert). Ich möchte nicht verraten, was gegen
Ende des Buches noch geschieht; nur so viel sei gesagt : Ich persönlich
finde, dem Buch hätten ein paar Seiten mehr ganz gut getan, denn die
plötzliche Häufung der Ereignisse vermittelte mir das Gefühl, die Autorin
hätte es schlagartig sehr schnell beenden wollen. Für diejenigen, die jedoch
weiterhin dranbleiben wollen, sind dann die drei darauf folgenden Bände
vorgesehen.
Ich jedoch hab nach dem ersten Band aufgehört. Versteht mich nicht falsch :
Es war für mich weder anstrengend noch schlimm, das Buch zu Ende zu lesen.
Streckenweise war das Buch natürlich auch unterhaltsam, es hat auch seine
Stärken. Die Geschichte an sich beispielsweise finde ich gar nicht schlecht.
Jedoch finde ich auch, dass eben diese Geschichte mit ein bisschen mehr
schriftstellerischem Geschick, ein paar hundert Seiten mehr und ein bisschen
mehr Zwischenhandlung (mehr Raum für Handlungen, die außerhalb der
Vampirgeschichte spielen) besser hätte werden können.
Die Geschichte ist nun mal ein Jugendbuch und kann nicht auf Grund seiner
Komplexität oder seines Anspruches zur Erwachsenenliteratur gezählt werden
(wie es beispielsweise bei der Harry Potter-Reihe der Fall ist). Dieser
Erfahrungsbericht beruht natürlich ausschließlich auf meiner eigenen
Meinung, die natürlich nicht von allen Twilightlesern geteilt wird.
Die Geschichte um Edward und Bella ist international erfolgreich, und es
wird unter Euch sicherlich auch viele geben, die mir nicht zustimmen und mir
am liebsten mal gehörig die Meinung geigen möchten. Wenn ihr Lust habt, euch
zu meinem Artikel und Buch zu äußern, seid ihr gerne dazu eingeladen, einen
Leserbrief zu schreiben.
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