| Auf der Tagesordnung der Sitzung
des Jugendhilfeausschusses am 29. Juni steht lapidar:
Konzept zur Förderung der Offenen Jugendarbeit 2011
Konzept zum Ausbau der ganztägigen Betreuungs-, Bildungs- und
Erziehungsangebote in der Sekundarstufe I
Was dahinter steckt, ist folgendes:
"1. Der Jugendhilfeausschuss beauftragt die Verwaltung
des Jugendamtes - unter der Voraussetzung, dass mit der Kommunalaufsicht das
erforderliche Einvernehmen hergestellt worden ist - mit den betroffenen
freien Trägern der Jugendhilfe und den Schulleitungen der weiterführenden
Schulen auf der Basis der Eckdaten zur Neuausrichtung der
Kindertagesbetreuung für Schüler/innen der Sekundarstufe I bis zur
Vollendung des 14. Lebensjahres und der Offenen Jugendarbeit zu verhandeln."
Zwar stellt der Jugendhilfeausschuss ausdrücklich fest,
dass er den Gestaltungsvorschlag ausschließlich wegen des bestehenden
Sparzwanges akzeptieren könne und das Gesamtpaket nur umsetzbar sei, wenn
die Beschränkungen der Offenen Jugendarbeit mit dem bedarfsgerechten Ausbau
der pflichtigen Leistungen nach §§ 24 und 27ff SGB VIII verbunden werden
können, jedoch heißt es einige Absätze später bei der Frage nach dem "Wie"
der Einsparungsmöglichkeiten:
"Reduzierung der Anzahl von Einrichtungen auf drei
zentral und verkehrsgünstig gelegene Jugendeinrichtungen"
Wenn man dann davon ausgeht, dass folgende
Jugendeinrichtungen bestehen und zur Zeit noch gefördert werden:
- FrESch in Schildgen
- Café Leichtsinn in der Stadtmitte mit einer zusätzlichen halben Kraft für
die Arbeit im Schulzentrum Herkenrath (für die Stadtteile Herkenrath und
Moitzfeld)
- Q1 in der Stadtmitte
- CROSS in Gronau mit einer halben Stelle für zusätzliche Angebote im
Hermann-Löns-Viertel
- Krea-Jugendclub und Kreativitätsschule in Refrath
- UFO in Bensberg mit einer halben Stelle für Angebote im Stadtteil
Bockenberg
sind drei Einrichtungen und die drei „Außenstellen“ zu
schließen. Die drei verbleibenden Einrichtungen, so will es die
Verwaltungsvorlage, haben die gesamtstädtische Versorgung sicherzustellen.
Sie sollen für die jungen Menschen aus den unterschiedlichen Teilen unserer
Stadt gut erreichbar sein.
Selbst wenn die Verwaltungsvorlage erklärt:
Damit die Einrichtungen ihren Auftrag vollumfänglich
bearbeiten können, sollen die Einrichtungen jeweils mit drei Vollzeitstellen
ausgestattet werden. Damit wird die Personaldecke in den verbleibenden
Einrichtungen gegenüber dem heutigen Stand verdoppelt.
bleibt festzuhalten, dass natürlich wieder mal bei den
Kleinsten, bei denen, mit der geringsten Lobby, gespart wird. Und
selbstverständlich gibt es für alles Erklärungen und die Schuld, dass die
Finanzlage jetzt so ist wie sie ist, liegt mit Sicherheit nicht bei
Bürgermeister Urbach. Doch wäre es nicht einmal ein Schritt in die richtige
Richtung, wenn er denn erklärte, er wolle mal lieber eher bei hoch-geistiger
Kultur sparen, als immer nur bei der Kinder- und Jugendarbeit. Denn auch
dort werden freiwillige Leistungen erbracht. Und auch dort muss eingespart
werden. - Aber da steht ja eine mächtige Lobby dahinter. Eine
Museumsleiterstelle muss neu besetzt werden - dann sollte man doch einfach
mal zählen, wie viele Besucher zum Beispiel eine Ausstellung irgendeines
Heimatkünstlers hat, und wie teuer es ist, die Ausstellung hier her zu holen
und diese Zahlen dann mal mit den Besuchen von Konzerten, Discos, Slams und
Workshops usw. und deren Kosten vergleichen. Und sich fragen: für wie viele
Menschen geben wir in der Stadt Geld für Kunst und Kultur aus und für wie
viele Jugendliche geben wir Geld aus.
Vom Nebeneffekt ganz abgesehen: Sind die Kinder und
Jugendlichen in den Jugendzentren gut aufgehoben, "machen sie keinen
Unsinn". Jedoch: bietet die Galerie Villa Zanders keine höchst künstlerisch
wertvollen Ausstellungen mehr, gehen die Leute einfach nach Köln oder
Leverkusen in eine Ausstellung - Unsinn mach DIE sowieso keinen.
Man kann und muss in Zeiten knapper Kassen über vieles und
vielleicht auch über alles diskutieren, aber man sollte die RICHTIGEN
Prioritäten setzen. Denn die Jugend ist unser Kapital für unsere Zukunft -
und wir sollten dieses Kapital nicht verschleudern.
Das sagt die Stadt dazu:
Umbau statt Abbau
Angebote von Jugendarbeit und Ganztag enger vernetzen
Neukonzeption soll Angebote im Nothaushalt langfristig sichern
Einbindung freier Träger und Schulen
Einstieg in konzeptionelle Gespräche bei Trägerkonferenz
"Die Stadt Bergisch Gladbach wird sich in der offenen Kinder- und
Jugendarbeit neu aufstellen müssen. Mit diesem Thema befasste sich auf einer
gestrigen Sitzung im Jugendamt die Trägerkonferenz der offenen
Jugendeinrichtungen, die sich aus Stadt, den Trägern der
Jugendeinrichtrungen und politischen Vertreterinnen des
Jugendhilfeausschusses zusammensetzt. Die Verwaltung legte noch einmal
detailliert dar: Mit Blick auf die Einsparvorgaben im Nothaushalt sind
Umstrukturierungen ohne Alternative. Gemeinsames Ziel ist es, mit den
vorhandenen Ressourcen bestmögliche Angebote für Kinder und Jugendliche in
Bergisch Gladbach langfristig zu sichern. Vorhandene gute Strukturen in der
Jugendarbeit sollen nicht verloren gehen, sondern in das Ganztagsangebot der
weiterführenden Schulen integriert werden. Wie das genau geschehen soll, mit
welchen pädagogischen Konzepten und finanziellen Spielräumen, wird gemeinsam
mit den jeweiligen Einrichtungen erarbeitet werden. Gesprächstermine dazu
sind bereits terminiert.
Rahmenbedingungen im Nothaushalt
Bei den „freiwilligen Leistungen“ muss die Stadt in den nächsten Jahren 10%
jährlich sparen. Weh tun diese Kürzungen im so genannten freiwilligen
Bereich vor allem da, wo es Kinder und Jugendliche trifft – ein Bereich, den
Bürgermeister Lutz Urbach ausdrücklich als Schwerpunktthema benannt hat.
Umso wichtiger ist es, dass die unvermeidlich knapper werdenden Ressourcen
bestmöglich eingesetzt werden. Wichtig ist eine Neukonzeption der Angebote
für Kinder und Jugendliche nicht zuletzt vor dem Hintergrund des offenen
Ganztages an den weiterführenden Schulen. Hier sind in Bergisch Gladbach die
gesetzlichen Vorgaben noch nicht erfüllt; Anbote für eine pädagogisch
fundierte Betreuung der Schülerinnen und Schüler am Nachmittag müssen
ausgebaut werden. Umbau statt Abbau – das ist die Formel, auf die sich der
Vorschlag der Verwaltung bringen lässt. Die schlechtere Alternative hieße:
Mit einer pauschalen Kürzung von 10% in den nächsten Jahren stünden die
Jugendzentren vor einer Schließung auf Raten. Weitere Kürzungen nach der
„Rasenmähermethode“ sind hier nach einhelliger Meinung nicht mehr möglich,
ohne an die Substanz der Einrichtungen zu gehen.
Eckpunktepapier der Verwaltung
In einem Eckpunktepapier hatte die Verwaltung deshalb Vorschläge gemacht,
die in den interfraktionellen Arbeitskreis, in die AG Jugendhilfe und in den
letzten Jugendhilfeausschuss eingebracht wurden. Die Vorschläge sind eine
Diskussionsgrundlage, auf Basis derer ein gemeinsames Konzept von Politik,
Verwaltung, freien Trägern der Jugendhilfe und Schulen auf den Weg gebracht
werden soll.
Die Vorschläge in Stichpunkten:
● Die offene Kinder- und Jugendarbeit in den Jugendzentren soll sich
auf die Zielgruppe der 14- bis 21-jährigen konzentrieren. Statt bisher
sieben Jugendeinrichtungen soll es drei gut erreichbare Standorte geben, die
mit je drei Stellen ausgestattet sind. Die Jugendeinrichtungen sollen
Planungssicherheit bis 2015 bekommen.
●
Gleichzeitig sieht der Lösungsansatz der Verwaltung vor, dass die bisher
gute Arbeit in den Jugendzentren für Altergruppe der unter 14-Jährigen nicht
ersatzlos wegfällt, sondern in den außerschulischen Angeboten des offenen
Ganztages an den weiterführenden Schulen integriert wird. Für Jungen und
Mädchen von 10 bis 14 Jahren werden an den acht Schulstandorten Angebote
gemacht, die mit pädagogischem Profil umgesetzt werden.
● Eine
Vernetzung zwischen den Angeboten der offenen Jugendarbeit und den
Betreuungsangeboten im offenen Ganztag der Sekundarstufe I, die es in vielen
Bereichen bereits heute gibt, soll gezielt gefördert und intensiviert werden
– Stichwort: Ausbau der Kommunalen Bildungslandschaft.
● Ein
Gesamtkonzept für die Kinder- und Jugendarbeit wie für den Ausbau der
Kindertagesbetreuung soll in einem Beratungs- und Abstimmungsprozess
gemeinsam zwischen den Beteiligten erarbeitet werden.
Die genannten Eckpunkte sind noch kein fertiges Konzept, sondern bedürfen
der Ausarbeitung, Beratung und Abstimmung mit den beteiligten freien Trägern
der Jugendhilfe und den weiterführenden Schulen. Öffentlich beraten wurde
über die Vorschläge in zum Teil kontroverser Debatte im Jugendhilfeausschuss
am 29. Juni, den erfreulicherweise rund 150 Jugendliche aus Bergisch
Gladbach als Zuhörer verfolgten. Deutlich wurde dabei, dass es keiner
politischen Fraktion ebenso wenig wie der Sozialverwaltung um blindes Sparen
und Streichen von Angeboten geht, sondern um eine bestmögliche Kinder- und
Jugendarbeit in der Stadt unter schwierigen Rahmenbedingungen.
Wie geht es weiter? – Arbeitsauftrag des Jugendhilfeausschusses an die
Verwaltung
Nach dem Beschluss des Jugendhilfeausschusses vom 29. Juni wurde die
Verwaltung damit beauftragt, in Abstimmung mit den freien Trägern ein
gemeinsames Konzept für die offene Kinder- und Jugendarbeit und die
Tagesbetreuung im offenen Ganztagsunterricht der weiterführenden Schulen zu
erarbeiten. Am Beratungs- und Planverfahren, das dem Jugendhilfeausschuss
zeitnah vorgelegt werden soll, werden sowohl die Schulen als auch der
interfraktionelle Arbeitskreis der Politik frühzeitig beteiligt.
Gleichzeitig sollen alle haushaltsrechtlichen Möglichkeiten in Abstimmung
mit der Kommunalaufsicht ausgelotet werden, damit die erforderlichen
Schritte nachhaltig und planungssicher für die Träger umgesetzt werden
können.
Mit der gemeinsamen Trägerkonferenz am 6. Juli und den zeitnah terminierten
Einzelgesprächen ist der Einstieg bei diesem wichtigen Zukunftsvorhaben
gemacht."
Pressemitteilung der Stadt Bergisch Gladbach vom 5. Juli 2010 |
von Trägern der Offenen Kinder-
und Jugendarbeit in Bergisch Gladbach
Bergisch Gladbach, 25. Juni 2010
An die
Mitglieder des Jugendhilfeausschusses der Stadt Bergisch Gladbach
an alle Interessierten sowie an die Vertreter der Presse
Stadt Bergisch Gladbach plant drastische Reduzierung in der Offenen
Kinder- und Jugendarbeit – für die bis 13-jährigen Kinder soll es kein
Angebot in Jugendzentren mehr geben
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir wenden uns an Sie in einer dringenden Angelegenheit, bei der es um
die Zukunft der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Bergisch Gladbach geht
und um die Frage, was wir den jungen Menschen in dieser Stadt noch an
pädagogisch gestalteten Räumen für ihre Persönlichkeitsentwicklung zur
Verfügung stellen wollen.
Aus einer Vorlage des Jugendamtes der Stadt Bergisch Gladbach, die am
21.06.2010 ausschließlich dem Interfraktionellen AK und der AG Jugendhilfe
präsentiert wurde, geht hervor,
- dass in Bergisch Gladbach zukünftig von den derzeit 7 Einrichtungen
der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nur noch 3 Einrichtungen weiter
existieren sollen,
- dass sozial benachteiligte junge Menschen nicht mehr als Zielgruppe
der Offenen Kinder- und Jugendarbeit angesehen werden,
- dass für die bis 13-Jährigen kein Angebot in den Jugendzentren mehr
vorgesehen ist.
Schon in der letzten Sparrunde wurde die Altersgrenze für Angebote der
Offenen Kinder- und Jugendarbeit seitens der Stadt auf 10 Jahre angehoben.
Die neuen Pläne sehen eine Altersgrenze von 14 Jahren vor.
Wir halten es für nicht verantwortbar, dass die Stadt Bergisch Gladbach
eine solch gravierende Umstrukturierung kurzfristig ohne Beteiligung der
Trägervertreter in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit plant. Wir sind der
Meinung, dass eine solche Vorlage mit so weit reichenden Konsequenzen für
die Jugendhilfe im Vorfeld mit dem Jugendhilfeausschuss als zuständigen
Fachausschuss und mit uns als Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
hätte besprochen werden müssen!
Wir fordern, dass die verantwortlichen Politiker und die Mitglieder des
JHA das Vorhaben der Stadt Bergisch Gladbach dahingehend stoppen, dass mit
uns als Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gemeinsam ein fachlich
vertretbares Konzept für eine zukunftsfähige Offene Kinder- und Jugendarbeit
erarbeitet wird, ohne dass es schon einseitige Vorgaben des Jugendamtes im
Vorfeld gibt!
Der Punkt 3 der Beschussvorlage (Drucksachen-Nr.: 0350/2010) sollte auf
jeden Fall so geändert werden, dass der Jugendhilfeausschuss nicht den
Gesamtvorschlag akzeptiert, der auch beinhaltet, dass zukünftig von nur 3
Einrichtungen ausgegangen wird, dass die 10- bis 13-Jährigen als Zielgruppe
ausgeschlossen sind u. v. m.
Zur Begründung:
Wenn es nur noch 3 Einrichtungen geben sollte, bedeutet dies, dass
die Stadt Bergisch Gladbach sich noch mehr als bisher von einer
stadtteilorientierten Jugendarbeit verabschiedet und nur noch an drei
exklusiven Orten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, die Angebote
der Offenen Kinder und Jugendarbeit wahrzunehmen. Jugendarbeit wird damit zu
einem exklusiven Angebot für wenige junge Menschen. Der gesetzliche Auftrag,
als Stadt alle junge Menschen in den Blick zu nehmen, wird damit aufgegeben.
Eine weitere nicht nachvollziehbare Ausgrenzung junger Menschen besteht
darin, dass es keine Offene Kinder- und Jugendarbeit in Stadtteilen mit
sozialen Brennpunkten mehr geben soll. Aus unserer Sicht ist dies eine
Diskriminierung von sozial benachteiligten jungen Menschen und das obwohl es
fachlich bekannt und unbestritten ist, dass die Offene Kinder- und
Jugendarbeit einen wesentlichen Beitrag zur Prävention leistet, damit junge
Menschen nicht an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt werden und auf die
„schiefe Bahn“ gelangen.
Doch die Politik der Ausgrenzung geht weiter, so will die Stadt mit dem
Hinweis auf die Tagesbetreuung an Schulen die bis 13-Jährigen aus der
Offenen Kinder- und Jugendarbeit ausgrenzen. In der Beschussvorlage (Drucksachen-Nr.:
0350/2010) für den Jugendhilfeausschuss, die wir am 24.06.2010 aufgrund
eines Hinweises von Außen vom Jugendamt angefordert haben, geht hervor, dass
das Jugendamt selbst von weniger als 40 % Bedarfsquote ausgeht.
So fragen wir, sind die weit mehr als 60 % Kinder im Alter von 10 bis 13
Jahren es nicht wert, ein Angebot der Jugendhilfe zu erhalten, das sich über
die Jahre bewährt hat? Die statistische Grundlage, die das Jugendamt
anführt, ist zudem fachlich kritisch zu hinterfragen.
Gerade die 10- bis 13-Jährigen brauchen zudem in diesem Alter des
Umbruchs – Schulwechsel, Übergang von Kindheit in die Jugendzeit – gute
pädagogische Angebote. Die 10- bis 13-Jährigen sind eine wichtige
Zielgruppe, damit diese einen positiven Bezug zur Offenen Kinder- und
Jugendarbeit herstellen können und somit auch wenn sie älter werden als
14-jährige die Angebote wahrnehmen.
Die Offene Kinder- und Jugendarbeit musste seit 2002 schon 30 % Kürzungen
der Mittel hinnehmen. Wenn jetzt weiter gekürzt wird, werden von ehemals 14
Einrichtungen 2002 nur noch 3 Einrichtungen bestehen. Wir glauben, dies ist
deutlich zu kurzsichtig gedacht, sowohl aus sozialer Verantwortung heraus
als auch aus finanzieller Sicht.
Die Enquetekommission für eine effektive Präventionspolitik des Landes
Nordrhein-Westfalen hat in ihrem Bericht vom März dieses Jahres deutlich
gemacht, dass jeder Euro in der Jugendhilfe langfristig 3 Euro an
Folgekosten spart. Wenn die Stadt jetzt 200.000 € einspart, zahlt der Staat,
also wir alle, letztendlich für diese Einsparung 600.000,00 € darauf. (Die
genaue Höhe der Kürzung im Bereich Offenen der Kinder- und Jugendarbeit
konnten wir aus den Unterlagen noch nicht eindeutig ermitteln.)
Wir als Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind bis heute durch
die Stadt Bergisch Gladbach offiziell nicht über ihr Vorhaben informiert
worden, obwohl sich die Stadt im nächsten Jugendhilfeausschuss (JHA) am 29.
Juni 2010 das hier dargelegte Vorgehen absegnen lassen möchte. Bis heute
(24.06.2010) haben nicht alle Mitglieder des Jugendhilfeausschusses die
erwähnte Beschlussvorlage erhalten. Nur aufgrund unserer Eigeninitiative
konnten wir an diese Vorlage heute gelangen.
Ebenso verletzt die Stadt Bergisch Gladbach mit ihrem Vorgehen den
gesetzlich vorgeschriebenen Weg der Jugendhilfeplanung und der Einbeziehung
der anerkannten Träger der freien Jugendhilfe. Zeit hätte die Stadt Bergisch
Gladbach genügend gehabt, da das Jugendamt schon seit der Sitzung des
Jugendhilfeausschusses (JHA) am 15.09.2009 den Auftrag hatte, gemeinsam mit
den Trägern das bisherige Konzept zu bewerten (dies ist unter
Zeitdruck geschehen) und bis Juni 2010 ein differenziertes Struktur- und
Förderkonzept zu erarbeiten.
Über ein Konzept ist mit uns noch nicht einmal ansatzweise geredet
worden. Die jetzige Vorlage vom 21.06.2010 kann auch nicht als differenziert
betrachtet werden. Der Vorschlag der Träger in der gleichen Sitzung
des JHA, nach den Herbstferien 2009 einen Klausurtag zur Offenen Kinder- und
Jugendarbeit durchzuführen, an dem das Jugendamt, die Trägervertreter und
die Mitarbeiter/-innen der Einrichtungen beteiligt sind, wurde nicht
umgesetzt (siehe Beschlussvorlage JHA, Drucksachen–Nr.: 327/2009, Seite 3).
In einem kurzfristig einberufenen Treffen des Jugendamtes mit uns Trägern
am 28.05.2010 wurden wir lediglich darüber informiert, dass 2011 ca. 100.000
€ eingespart werden müssen, es aber noch kein Konzept gebe, wie dies
erfolgen soll. Außerdem wurde das bisherige Konzept der Offenen Kinder- und
Jugendarbeit reflektiert auf der Grundlage eines Treffens mit den
Einrichtungsleitungen. Uns wurden dann nur fünf Eckpunkte mitgeteilt, die
zurzeit in der Verwaltung diskutiert würden und über die zum jetzigen
Zeitpunkt laut Jugendamt eine Diskussion nicht sinnvoll wäre:
- Verbesserung der Betreuung der 10- bis13-Jährigen an Schule,
verlässliche Betreuung,
- neue Zielgruppe ab 14 Jahre,
- Inhalte und Einrichtungen stehen auf dem Prüfstand,
- belastete Stadteile – Angebote sollen nicht mehr aus dem Topf der
Offenen Kinder- und Jugendarbeit finanziert werden,
- Standards sollen festgelegt und verbessert werden.
Wir Träger haben deutlich gemacht, dass sobald die Verwaltung zu diesen
Punkten mehr sagen kann, wir einen großen Diskussions- und Beratungsbedarf
haben. Über dieses Treffen liegt bis heute kein Protokoll vor, welches das
Jugendamt schreiben wollte.
Innerhalb dieses Treffens haben wir uns als Träger der Offenen Kinder-
und Jugendarbeit entschieden, kurzfristig eine Stellungnahme zu schreiben,
die nun den Mitgliedern des JHA für die nächste Sitzung vorliegt. Diese
Stellungnahme hat auch weiterhin inhaltlichen Bestand, wenn gleich sie
geschrieben wurde, ohne dass wir über die konkreten Gedanken und das
konkrete Vorhaben des Jugendamtes informiert waren.
Aus dieser Stellungnahme ist auch zu ersehen, dass eine ausschließliche
Bewertung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit anhand der Anzahl der
Stammbesucher/-innen fachlich deutlich zu kurz gegriffen ist und nicht der
Weiterentwicklung Offener Kinder- und Jugendarbeit Rechnung trägt. So sind
zum Beispiel auch die Teilnehmerzahlen bei Konzert-, Kultur- oder
Bildungsveranstaltungen zu berücksichtigen; hiermit erreichen wir 87,1
% der jungen Menschen in Bergisch Gladbach im Alter von 10 bis 21 Jahren.
Seit Jahren gibt es eine vertrauensvolle und partnerschaftliche
Zusammenarbeit zwischen dem Jugendamt und uns als Träger der freien
Jugendhilfe. Diese wollen wir unsererseits fortführen. Dies setzt aber
voraus, dass noch eine offene fachliche Diskussion geführt werden kann und
es nicht nur um die Frage von „friss oder stirb“ geht. Wir befürworten, dass
das Jugendamt nicht nach dem „Rasenmäher-Prinzip“ verfahren will. Wir sind
bereit, zum Gespräch und zur konstruktiven Lösungsfindung.
Wir fordern ebenso die verantwortlichen Politiker auf, zu überdenken, ob
es wirklich keinen anderen Weg gibt, den Haushalt zu konsolidieren, als in
der Offenen Kinder- und Jugendarbeit so massiv zu sparen. Dabei sollte auch
bedacht werden, dass dies langfristig der Stadt deutlich mehr kosten wird,
als das, was jetzt kurzfristig eingespart wird.
Wir haben uns entschlossen, diesen Offenen Brief zu schreiben, weil wir
uns durch das kurzfristige Vorgehen der Stadt Bergisch Gladbach gezwungen
sehen, eine Öffentlichkeit für dieses brisante Thema herzustellen, damit
auch die Bürger und Bürgerinnen wissen, was gerade in dieser Stadt für bzw.
gegen die Interessen junger Menschen geplant wird.
Wir wissen, dass wir in der Form des Offenen Briefes keine fachlich
dezidierte und differenzierte Auseinandersetzung vornehmen können; dies
gehört unseres Erachtens in die Beratungen des JHA und in den Dialog mit
allen Verantwortlichen in dieser Stadt, insbesondere mit dem Jugendamt.
Wir sind jeder Zeit zu einem fairen und offenen fachlichen Dialog bereit!
Für Rückfragen stehen wir gerne jeder Zeit zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Katholische Jugendwerke Rhein-Berg e.V.: Cafe Leichtsinn und Cross
Thomas Droege: 02202 93622-0
Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach: Jugend-Kulturzentrum Q1
Thomas Hildner: 02202 9366712
Arbeiterwohlfahrt (AWO): Jugendkulturhaus Ufo
Werner Eßer: 02202 93731-12
Kreativitätsschule Bergisch Gladbach e.V.: Kreativitätsschule und
Krea-Jugendclub
Ulla Forster: 02204 64415
Verein der K.O.T. Herz Jesu Schildgen e.V.: FrESch
Wolfgang Obermann: 0221 94659621
Ansprechpartner Offener Brief:
Thomas Droege: 02202 93622-0 oder 0178 2030805
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